Liebe Leserin, lieber Leser,
an den Schulen stehen bereits die Herbstferien bevor, mit den ersten Schulwochen ist der Alltag längst wieder eingekehrt. Die boje-Projekte des Schuljahres 2009/2010 gehen jetzt an den Start. Und das wollen wir natürlich feiern. Die offizielle Ehrung unserer diesjährigen Wettbewerbsbeiträge findet am Mittwoch, den 28. Oktober, um 14.30 Uhr in der Sparda-Bank Münster im Zentrum-Nord in Münster, Joseph-König-Straße 3, statt. Die Vertreter der prämierten boje-Projekte erhalten dazu noch eine offizielle Einladung sowie einige Hinweise zu den Formalitäten. Wir freuen uns darauf, die erfolgreichen Bewerberinnen und Bewerber persönlich zu treffen und kennenzulernen.
Ute Cewe, Stiftung Kunst, Bildung, Erziehung der Sparda-Bank Münster eG
In diesem Newsletter erwartet Sie:
Aktuelles
Richtfest am Fachwerkhaus
Am 9. Oktober feiert die LWL Förderschule Hören und Kommunikation in Münster ein großes Richtfest. Nach einem Jahr Bauzeit haben die Schüler es geschafft, ihr Fachwerkhaus zu bauen. Im Rahmen der boje wurde das Projekt mit 6.000 Euro gefördert, viele Handwerksbetriebe der Region beteiligten sich als Sponsoren. Gewinner sind die Jugendlichen, die handwerklich gearbeitet und Betriebe von innen gesehen haben, die echte Handwerksmeister kennenlernten und durchgehalten haben. … mehr
Energie-Wettbewerb
Unter dem Motto "Pack's an - gemeinsam geht's schlauer" fordert RWE zusammen mit den regionalen Energiegesellschaften in diesem Schuljahr wieder Schülerinnen und Schüler auf, Projekte zum Thema Energiesparen zu starten. Ob mit Plakat, Podcast oder Postkarte - Hauptsache, den Schülerinnen und Schülern gelingt es, ihre Mitmenschen dazu zu motivieren, beim Energiesparen mitzumachen. Bewerbungsschluss ist der 1. Februar 2010
http://www.packsan-schulwettbewerb.de
Stimmen aus der Jury
Die boje spricht sich rum. Der Stapel der Bewerbungen, den die sechsköpfige Jury sichtete, war in diesem Jahr ungleich größer als beim Auftakt 2008. Die Entscheidung über die Förderung der Projektideen wird möglichst im Konsens getroffen.
„Wir haben wieder einmal gesehen, dass es den Schulen nicht an Ideen mangelt“, so das Fazit des Sparda-Vorstandsvorsitzenden Enrico Kahl. „Die Motivation, im Übergang Schule- Beruf mehr zu machen, ist da. Woran es fehlt? Am Geld und an einer größeren Nähe zu Unternehmen.“
Lange diskutiert wurde das ambitionierte Projekt der Schule am Schlosserplatz in Jever: Gegründet werden soll an der Förderschule eine Agentur für Ausbildungsplatzsuche und zwar als Schülerfirma. „Das will ich sehen!“, sagte Münsters Schuldezernentin Andrea Hanke. Und Volker Trautmann, Geschäftsführer der ARGE Oldenburg, ist gespannt, was man hier bewegen kann. „Wenn das gelingt, wird das ein Modell für viele sein.“
Einige Projekte werden über das erste Jahr hinaus weiter gefördert. So auch die Hauptschule Wolbeck, die ein Netzwerk mit regionalen Unternehmen aufbaut. „Das ist genau der richtige Weg“, zeigte sich Regierungsschuldirektor Volker Hellmund überzeugt. „Der Anfang ist gemacht, jetzt können sie das in eine gute Struktur bringen.“
Das Jugendausbildungszentrum in Münster (JAZ) präsentierte eines der wenigen Vorhaben, das ausdrücklich die Elternarbeit in den Mittelpunkt stellt (mehr dazu unten „Aus den Projekten“). „Das Thema liegt mir besonders am Herzen, deshalb freue ich mich natürlich umso mehr, dass wir dabei sind“, sagt Marlies Richels, Leiterin des JAZ. Um nicht mit ihrer Funktion als boje-Jurymitglied in Konflikt zu kommen, hatte sie sich an der Diskussion zum Antrag des JAZ nicht beteiligt.
Innovativ sollen die Projektansätze sein, so sehen es die boje-Richtlinien vor. Viele Anträge auf Förderung von Schülerfirmen wurden daher nicht berücksichtigt. Für Prof. Heinz Holling von der Uni Münster bewahrheitete sich auch in diesem Jahr: „Es müssen nicht immer die komplexen Vorhaben sein. Manchmal sind es die ganz einfachen Maßnahmen, für die man nur geringe Mittel braucht, mit denen sich viel bewegen lässt.“
Aus den Projekten
Noch gibt es natürlich keine Ergebnisse. Aber es gibt Ideen und Pläne und natürlich Reaktionen auf die Auszeichnung durch die boje. Wir haben uns in einigen Projekten umgehört.
„Es geht um Mädchen und Jungen“
Die Weiterförderung ihrer Projekts „Wie stellst du dir dein Leben vor?“ durch die boje ist für das FrauenForum e.V. in Münster auch die Anerkennung, dass die geschlechterdifferenzierte Arbeit mit Mädchen und Jungen in der Berufsorientierung nach wie vor innovativ ist. „Die individuelle Förderung steht überall im Vordergrund“, sagt Gerlinde Amsbeck vom FrauenForum e.V., „das ist richtig, aber zugleich darf der strukturelle Kontext, der Mädchen und Jungen ganz unterschiedlich trifft, nicht vernachlässigt werden.“
Ob das auch für die Ansprache der Eltern gilt, das versuchen die Projekt-Initiatorinnen noch herauszufinden. „Warum kommen die Eltern nicht? Warum kommen die Mütter nicht?“ Auf diese Fragen sucht das FrauenForum weiter eine Antwort und die richtigen Konzepte zwischen Elternabenden und Homeparties.
„Die Eltern gibt es nicht“
Um die Eltern geht es im kommenden Jahr auch verstärkt im JAZ. „Gemeinsam stark!“ heißt das Vorhaben, mit dem Eltern stärker in die berufliche Orientierung der Jugendlichen eingebunden werden. „Unsere Erfahrung mit Eltern ist, dass es sie nicht gibt“, beschreibt Marlies Richels, Leiterin des JAZ den Ausgangspunkt. Unwissenheit oder Überforderung seien die häufigsten Gründe für den Rückzug der Eltern. „Das Spektrum der beruflichen Möglichkeiten ist inzwischen so komplex, da sind viele Eltern einfach überfordert.“ Zugleich wünschen sich die Jugendlichen, dass das anders ist. Eltern anders abholen, einbinden und informieren – das ist das Ziel des Projektes, das in Kooperation mit der Hauptschule stattfindet.
„Kommen unsere Schüler etwa am Nachmittag?“
„Sobald man Erfolge zeigen kann, wächst das Interesse“, sagt Barbara Godehardt, Sozialarbeiterin an der Hauptschule Wolbeck. Mit dem Projekt „Zertifikatekurse“ hatte die Schule im vergangenen Jahr starke lokale Öffentlichkeitsarbeit gemacht und gezeigt, wie sich Unternehmen an der Schule engagieren. Jetzt kann das Sponsoring-Netzwerk wachsen, die Kooperationen mit Betrieben sollen fortgesetzt und intensiviert werden. Denn die Motivation der Schüler und Schülerinnen, sich in den freiwilligen Praxis-AGs zu engagieren und Berufe kennen zu lernen, ist groß. Und das hat längst die Skeptiker an der Schule verstummen lassen. „Kommen unseren Schüler denn nachmittags freiwillig in die Schule?“, fragt heute kaum noch jemand.
Näher an die regionale Wirtschaft
Sie weiß, dass ihr Vorhaben ehrgeizig ist. Jutta Stuhm ist dennoch davon überzeugt, dass die Gründung einer „Agentur für Ausbildungsplatzsuche“ als Schülerfirma der richtige Weg ist, um Förderschülern mehr berufliche Chancen zu eröffnen. Die Schulleiterin der Schule am Schlosserplatz in Jever will mit ihrem Projekt vor allem näher an die Wirtschaft und die regionalen Unternehmen heran. In der Schule wird in der Schülerfirma berufliche und Teamkompetenz erworben, an runden Tischen mit Unternehmen sollen langfristig auch andere Ausbildungsmodelle entwickeln werden. „In anderen Regionen sind die Chancen für Förderschüler besser“, so die Einschätzung von Jutta Stuhm. „Auch die Wirtschaft muss sich dazu äußern, wie sie Ausbildungen für Benachteiligte anbieten kann.“
boje-intern
Empfehlen Sie unseren Newsletter weiter!
Sicher kennen Sie Kolleginnen und Kollegen, die sich für Themen im Übergang Schule - Beruf interessieren. Unser Newsletter informiert regelmäßig über innovative Projektansätze und ist ein Ideenpool für viele.
Mit diesem Link landen Interessierte direkt auf der Login-Seite.
