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Kaufleute in die Werkstatt

Werkstatt-Konzept
August-Claas-Schule / Gemeinschaftshauptschule Harsewinkel

"Es gibt Industriebrachen. Es gibt Rentner, die was tun wollen. Man braucht nur den Mut, aus Nichts was zu machen." Wolfgang Strotmann hatte nicht nur genug Mut, sondern auch genügend Begeisterung, um seine Schule und eine Menge Unterstützerinnen und Unterstützer für die Idee der Werkstätten an der Hauptschule Harsewinkel zu gewinnen. 2007 wurden diese in einer leerstehenden Gärtnerei eröffnet, heute ist die Schule stolz darauf, dass 60 % ihrer Schulabgänger direkt nach der Schule einen Ausbildungsplatz finden. Zum Vergleich: An NRWs Hauptschulen sind es im Durchschnitt 23 %.

Erster Job: Inventur
Zum 28. Februar 2010 hatten die Außenwerkstätten der Hauptschule in Harsewinkel ein Betriebsvermögen von 8.500 Euro. Bei der Inventur, die die neue kaufmännischen Abteilung als eine ihrer ersten Aufgaben durchführte, wurden nicht nur jede Schraube und jeder Hammer gezählt, auch die Werte der Maschinen wurden so genau wie möglich ermittelt.

Werkstatt-Verwaltung professionalisieren
"Unsere Werkstätten sind in den vergangenen Jahren so sehr gewachsen", sagt Wolfgang Strotmann, "dass es notwendig wurde, über eine Professionalisierung der Verwaltung nachzudenken." Für den Lehrer  lag es daher nahe, diese Aufgabe in das Praxis-Konzept zur Berufsorientierung einzubinden. Wer hier einen Tag pro Woche mitarbeitet, lernt die Grundlagen und viele Facetten eines kaufmännischen Berufs kennen.

Das Management für echte "Kollegen"
Neben der Mädchengruppe, die die komplette Inventur machte, ist ein Schüler als Lagerarbeiter damit beschäftigt, ein EDV-gestütztes Lager mit Struktur, Artikelnummern und Artikelstamm aufzubauen. Gleichzeitig ist die "Trockenbaugruppe" dabei, ein zweites Büro in die Werkstatthalle zu bauen.
Hier kann dann sowas wie die Logistik-Zentrale der Außenwerkstätten entstehen und damit ein Praxisfeld, in dem mit echtem Material, echten Projekten und echten "Kollegen" der Betrieb organisiert wird. "Die Schülerinnen und Schüler sind im kaufmännischen Bereich für die Materialwirtschaft, die Organisation der Bauprojekte, die Personalwirtschaft und das Rechnungswesen zuständig", sagt Wolfgang Strotmann. "Sie gewinnen einen kompletten Einblick in die Abläufe eines Wirtschaftsbetriebs."

Das Spektrum der Berufe erweitern
Seit 2007 wächst die Außenwerkstatt der August-Claas-Schule. Mit Fördergeldern aus Gemeinde, Politik und Privatspenden wurden damals das leer stehende Gebäude (400qm) und das entsprechende Außengelände (3000 qm) gemietet und so umgebaut, dass die Schülerinnen und Schüler in zahlreichen Berufsbildern Grundkenntnisse erwerben und erweitern können: 

  • Hochbau: Maurer und Betonbautätigkeiten
  • Trockenbau: Innenausbau, Fenster-, Türen- und Gipskartonarbeiten
  • Motoren-Technik: Arbeiten an Pkw-, Zweirad- und Nutzfahrzeugmotoren
  • Fahrrad-Technik
  • Raumausstattung
  • Garten- und Landschaftsbau: Pflaster- und Pflanzarbeiten
  • Elektronik: Grundlagen der Haustechnik und Elektrotechnik
  • Metall: Projektarbeiten zum Schweißen, Zerspanen, Fugen
  • Zimmerei: Erstellen von Dachstühlen und Sitzmöbeln
  • Dachdeckerei
  • Sanitärtechnik
  • Friseurhandwerk

Die Rentner führen Regie
Wie im vergangenen Projektjahr (2008/09) werden auch jetzt wieder Pensionäre in der Qualifizierung der Jugendlichen eingesetzt. "Die erste und die dritte Generation können hervorragend zusammenarbeiten", sagt Wolfgang Strotmann, "die haben keine Probleme miteinander." In den Projekten der Werkstatt seien die Lehrkräfte nur pädagogische Assistenten. Regie führen die inzwischen acht Pensionäre, die fachliches Wissen, aber auch eine Menge Lebenserfahrung weitergeben. "Hier hören Sie nie einen scharfen Ton", so Wolfgang Strotmann. Für die Schüler sei der Projekttag außerhalb des Unterrichts eine besondere Erfahrung: Sie widmen sich 6 Stunden lang einem Projekt, konzentrieren sich auf eine Aufgabe und müssen nicht nach 45 Minuten was Neues anfangen. Und sie beginnen die Struktur eines Arbeitstages zu erkennen.

Das Werkzeug in der Hand haben
"Diese Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen", sagt der Lehrer, "das kann kein berufsorientierender Unterricht im Klassenzimmer leisten. Ein Hauptschüler sucht sich seinen Beruf nicht im Unterricht. Er muss das Werkzeug in der Hand haben." Und dann erzählt er die Geschichte des Jungen, der in so gar keinem Gewerk geschickt zu sein schien. Irgendwann gab man ihm einen Eimer und einen Lappen, um die Fenster zu putzen und das war offenbar das Richtige. Inzwischen macht der Junge eine Ausbildung zum Gebäudereiniger.

  

Die Sparda-Bank fördert das Projekt mit 4.500 EUR.
Begleitende Patin ist Marlies Richels, Leiterin des Jugendausbildungszentrums JAZ in Münster.

Kontakt:
August-Claas-Schule Harsewinkel
Städtische Ganztagshauptschule Harsewinkel
Dr. Wolfgang Strotmann
Tecklenburger Weg 4a
33428 Harsewinkel
Tel.: 05247/ 924950-51
Fax: 05247/ 924966
info@august-claas-schule-harsewinkel.de
www.august-claas-schule-harsewinkel.de