„Wie stellst du dir dein Leben vor?“
Ein Projekt des FrauenForum e.V. an Haupt- und Realschulen in Münster
„Warum kommen die Eltern nicht? Warum kommen die Mütter nicht?“ Auf diese Fragen sucht das FrauenForum in Münster Antworten. Denn Jugendliche wünschen sich Rat und Unterstützung der Eltern, wenn es um den Beruf geht. "Wenn diese aber eine für sie unbefriedigende Arbeit tun, sind sie wenig bereit, über ihren Beruf zu sprechen", so die Erfahrung von Eugénie Salem. Die Sozialpädagogin arbeitet mit Mädchengruppen an einer Haupt- und einer Realschule im Rahmen des Projekts „Wie stellst du dir dein Leben vor?“.
Wovon träume ich?
Ihr Kollege Dirk Zeuner ist einmal in der Woche mit den Jungen auf Spurensuche. Denn das Projekt soll nicht nur bei der Berufswahl helfen, sondern den Jugendlichen die Möglichkeit geben, über ihre Vorstellung vom Leben als Erwachsene nachzudenken. Welche Rolle will ich haben? Wie sehe ich meine Stärken und meine Schwächen? Wovon träume ich?
Mädchen und Jungen brauchen eigene Ansätze
Das FrauenForum e.V. in Münster ist davon überzeugt, dass die geschlechterdifferenzierte Arbeit mit Mädchen und Jungen in der Berufsorientierung nach wie vor innovativ ist. „Die individuelle Förderung steht überall im Vordergrund“, sagt Gerlinde Amsbeck, „das ist richtig, aber zugleich darf der strukturelle Kontext, der Mädchen und Jungen ganz unterschiedlich trifft, nicht vernachlässigt werden.“
"Was hast du mal gelernt?"
Ob das auch für die Ansprache der Eltern gilt, das versuchen die Projekt-Initiatorinnen noch herauszufinden. Im ersten Projektjahr hatten sie die Mütter mit Homeparties zum Austausch eingeladen. Im laufenden Schuljahr haben die Mädchen zum Mütter-Töchter-Frühstück in die Schule eingeladen, jede Familie brachte eine Speise aus ihrem Herkunftsland mit. Der Austausch war offen. "Die Töchter haben geäußert, was ihnen an den Müttern gefällt und was ihnen im Kontakt fehlt", erzählt Eugénie Salem.
"Viele wünschten sich mehr Zeit für Gespräche, auch ohne die Geschwisterkinder." Die Mütter wünschten sich ebenfalls, dass die Töchter mehr reden, damit sie besser helfen können. "Erstaunlich war, dass die Töchter oftmals nicht wissen, welchen Beruf die Mütter überhaupt erlernt haben oder dass sie mal studiert haben", so Eugénie Salem.
Wie können wir die Eltern besser erreichen?
Dennoch ist die Sozialpädagogin mit der Elternarbeit noch nicht zufrieden. "Wir haben noch immer nicht die Mütter erreicht, die wir erreichen wollten." Die Kooperation setzt das FrauenForum nun mit Multiplikatorinnen im Stadtteil fort. "Wir haben gelernt, dass türkische Familien im Kreis mit anderen Familien nicht über die Kinder und die Familie sprechen." Neben Angeboten für die Gruppe gelingt der Kontakt vielleicht doch eher über Einzelkontakte. "Die Eltern sind für die Jugendlichen in dieser Phase als Gesprächspartner und Ratgeber enorm wichtig", so Eugénie Salem. Ob und wie die Eltern der Jugendlichen mit Migrationshintergrund stärker an das Thema Berufsorientierung herangeführt werden können, bleibt ein spannendes Experiment und vielschichtig.
Die Sparda-Bank fördert das Projekt mit 20.000,00 EUR.
Begleitende Patin ist Dr. Andrea Hanke, Schul- und Kulturdezernentin der Stadt Münster.



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