„Wie stellst du dir dein Leben vor?“
Ein Projekt des FrauenForum e.V. an Haupt- und Realschulen in Münster
„Nach dem Projekt weiß ich, was ich werden will!“ Die Erwartungen der Jugendlichen sind hoch. Und schnell merken sie: so einfach ist das nicht. Denn im Projekt „Wie stellst du dir dein Leben vor?“ geht es um viel mehr als die Berufswahl. Es geht um Lebensentwürfe, um Träume und Visionen und darum herauszufinden, auf welchen Wegen und mit welcher Hilfe diese erreichbar sind.
Zwischen Träumen und Gehaltstabelle
Einmal pro Woche stehen in den 8. Klassen Zukunftsfragen auf dem Stundenplan. Und das ist durchaus mit Arbeit verbunden. Denn begleitet von der Sozialpädagogin Eugénie Salem und dem Psychologen Dirk Zeuner nehmen die Jungen und Mädchen Berufsbilder unter die Lupe, recherchieren Verdienstmöglichkeiten und Ausbildungsvoraussetzungen und kommen ganz schnell an die Frage: Was kostet eigentlich das Leben? „Wir wollen den Jugendlichen einerseits helfen, den Blick zu weiten und ein größeres Spektrum an Möglichkeiten zu sehen“, sagt Eugénie Salem. „Zugleich ist aber wichtig, dass sie ihre Träume realistisch betrachten und da kann der Blick auf eine Gehaltstabelle sehr hilfreich sein.“
Rollenspiele, Traumreisen und Recherche
Mit Rollenspielen, Traumreisen, Rechercheübungen, Trainings, in Gesprächen und Coachings kommen die Schülerinnen und Schüler realistischen Zielen auf die Spur. Dabei stellen die Projektverantwortlichen fest, dass es Mädchen einfacher als Jungen fällt realistische Vorstellungen zu entwickeln. „In der Jungenarbeit ist ein zentraler Baustein die Ausbildung der Geschlechtsidentität. Studien zeigen, dass Jungen erst dann Berufsvorstellungen entwickeln und passende Angebote wahrnehmen können, wenn sie das Gefühl haben, dass es zu ihnen passt und dies definieren sie über ihre Vorstellung von Männlichkeit.“
Neue Wege zu den Eltern
Das FrauenForum e.V., das das Projekt an der Waldschule Kinderhaus, einer Hauptschule, und an der Paul-Gerhard-Realschule durchführt, hat seit Jahren Erfahrung in der prozessorientierten Arbeit mit Jugendlichen in der Berufwahlorientierung. In diesen Projekten wird in getrennten Mädchen- und Jungengruppen gearbeitet, immer unter Beteiligung von Lehrkräften, so dass diese die Arbeit auch ohne externe Unterstützung weiterführen können.
In den jetzt mit boje-Mitteln geförderten Projekten werden außerdem neue Wege der Elternarbeit sowie Austausch mit Betrieben aus Münster erprobt.
„Für die Elternarbeit braucht man einen langen Atem“, sagt Eugénie Salem. Gerade Eltern nicht-deutscher Herkunft seien mit dem dualen Ausbildungssystem oftmals nicht vertraut. Auch Einladungen zu Elternabenden in der Schule seien nicht die richtige Form, um mit ihnen als potenzielle Ratgeber ihrer Kinder ins Gespräch zu kommen. Aber eine Art „Tupperparty“, eine persönliche Einladungen zu Tee und Keksen ins Wohnzimmer, ist eine Form, die auf Resonanz stößt und jetzt neue Wege weist.
Die Sparda-Bank fördert das Projekt mit 30.191,00 EUR.
Begleitende Patin ist Dr. Andrea Hanke, Schul- und Kulturdezernentin der Stadt Münster.



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