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Praxis in die Schule holen

Hauptschule Wolbeck, Praxiserfahrungen durch Zertifikatskurse

„Eine abstrakte Baustelle. Ein Haufen rostiger, alter, gammeliger verdreckter Teile.“ So beschreibt Axel Donalies, Inhaber einer Motorrad-Werkstatt, den Beginn seines Projekts an der Hauptschule in Wolbeck. Was da vor den Schülerinnen und Schülern der 8. Klassen lag, waren die Einzelteile eines alten Motorrads. Einer Simson FR 2, Baujahr 1959, um genau zu sein.

Experten aus Unternehmen
Der Unternehmer ist einer von fünf externen Partnern, die ein Schuljahr lang berufspraktische Projekte begleiteten. Neben dem Motorradtechniker war ein Catering-Unternehmen in die Schule gekommen, ein Landschaftsgärtner, eine Expertin für Lehmbau und Naturfarben führte die Jugendlichen in Techniken der Farbe und Raumgestaltung ein, gemeinsam mit dem Schulseelsorger lernten die Schülerinnen und Schüler soziale Einrichtungen wie Altenheime und Kindergärten aus der Nähe kennen.

Praxis für mehr Orientierung
„Wir wollten die Praxis in die Schule holen“, beschreibt Schulsozialarbeiterin Barbara Godehardt den Ansatz des Projektes „Zertifikatskurse“. „Wir haben beobachtet, dass viele Jugendliche in der 10. Klasse ziemlich orientierungslos sind und trotz der beiden Betriebspraktika oft nicht wissen, was sie beruflich weitermachen sollen. Sie wünschen sich mehr Möglichkeiten, praktische Erfahrungen zu sammeln.“ Die Praxis in die Schule zu holen und damit vielen Schülern und Schülerinnen schon früh in der Klasse 7 und 8 Möglichkeiten der Orientierung zu bieten, war das Ziel des Projekts.

Für ein Praktikum mit Plan
Axel Donalies ist sicher, dass die AG-Erfahrungen den Jugendlichen eine Menge geben können. „Sie können jetzt einschätzen: Ist das Handwerk für sie überhaupt eine Perspektive und entscheiden, ob sie mit einem Praktikum hier weitermachen wollen.“ Genau darum geht es: Auch die Suche nach Praktikumsplätzen sollen die Jugendlichen schließlich überlegt verfolgen können.

Alle haben sich durchgebissen
„Auf das Ziel kommt es an“, das hat Axel Donalies in seiner Gruppe vermittelt. Und auch, dass zu jedem Beruf eine Menge undankbarer Arbeit gehört, die Konsequenz erfordert. Denn in den ersten vier Wochen waren in der Motorrad AG alle ausschließlich mit dem Saubermachen, Schleifen, Abschmirgeln und Entrosten der Teile beschäftigt.
„Boh, ist das langweilig“, stöhnten die ersten schon nach vier Minuten. „Und trotzdem haben sich alle durchgebissen“, erzählt der Unternehmer stolz. Zur Belohnung gab’s eine frisch lackierte und zu 95 Prozent fahrtüchtige Maschine, im Garten- und Landschaftsbauprojekt eine Kräuterspirale, im Hauswirtschaftsprojekt ein Fingerfood-Buffet am Elternsprechtag. Zertifikate bescheinigen die erfolgreiche Teilnahme. Und zum Projekt gehörten auch Besichtigungen der Betriebe inklusive der Möglichkeit zu entscheiden: Das könnte mein Praktikumsplatz sein.

Die Sparda-Bank fördert das Projekt mit 9.370,70 EUR.
Begleitende Patin ist Dr. Andrea Hanke, Schul- und Kulturdezernentin der Stadt Münster.

Kontakt:
Hauptschule Wolbeck
Barbara Godehardt
Schulsozialarbeiterin
Von-Holte-Str. 56
48167 Münster
Tel.: 0 25 06 / 81 12-0 
Fax: 0 25 06 / 81 12-34 
Hauptschule-Wolbeck@stadt-muenster.de
Hauptschule-Wolbeck@stadt-muenster.dewww.hauptschule-wolbeck.de


Stimmen zum Projekt:

„Wir haben schon Erfahrungen mit Partnern aus der Wirtschaft und erleben, dass sie auch persönliche Vorbilder sein können. Es gibt keine Noten und man darf auch mal was falsch machen. Von den Pädagogen unterscheidet sie natürlich das Fachwissen, aber auch die andere Ansprache.“
Barbara Godehardt, Schulsozialarbeiterin

"Die Schülerinnen und Schüler haben erlebt, dass sie in einem handwerklichen Projekt viel 'undankbare Arbeit' tun müssen und dass sie, wenn sie durchhalten, zu einem befriedigenden Ergebnis kommen."
Axel Donalies, Inhaber der Motorrad Werkstatt Donalies in Münster