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„Wir können hier qualifizierte Arbeit anbieten“

Werkstatt-Konzept, Gemeinschaftshauptschule Martin-Luther-Schule, Herten

Im Gewächshaus riecht es nach frischer Erde. In der Malerwerkstatt nach Kleister und Farbe. In der Floristik-Werkstatt stehen frischgebundene Sträuße und verströmen in der angrenzenden Schneiderei Blumenduft. Nur im Friseursalon, da riecht es relativ neutral. Haarspray ist hier tabu. Dafür ist der kleine gemütliche Raum mit Trockenhauben und Waschbecken aus einem echten Friseursalon ausgestattet.

Praktisches Wissen ab Klasse 5
Wer die Martin-Luther-Schule in Herten besucht, schnuppert schon früh Berufsluft. Schon ab der 5. Klasse lernen die Schülerinnen und Schüler nicht nur im Unterricht, sondern in den Werkstätten, in Projektwochen, in der Übermittagbetreuung und in Arbeitsgemeinschaften Berufspraxis kennen. Begleitet werden sie dabei von so genannten Seniorexperten. Das sind Leute wie Herr Podschadlowski, Dackdecker im Ruhestand und Ansprechpartner für alle Gewerke. Je eine Friseurmeisterin, Schneiderin und Floristin gehören zum Team, ältere oder ehemalige Schülerinnen und Schüler geben hier ihr praktisches Wissen weiter. Mit den Mitteln aus dem boje-Projekt konnten der Friseursalon und die Schneiderwerkstatt professionell eingerichtet werden. Aber auch Honorarkräfte werden von den Mitteln bezahlt.

Alles selbst gebaut
Wenn Rektor Hermann Kuhl beschreibt, wie sich der Schwerpunkt Berufsorientierung an der Gemeinschaftshauptschule entwickelt hat, geht er in den Keller. Dort steht die Regenwasserrückgewinnungsanlage. Als diese 1996 gebaut wurde, wollten fünf Schüler anschließend Installateur werden. „Da wurde uns klar, dass wir hier qualifizierte Arbeit anbieten können.“ Seitdem werden Bauprojekte nur noch an Firmen vergeben, die bereit sind, gerade auch die schulisch schwächeren Schüler in die Arbeiten einzubinden. Die Ergebnisse finden sich an vielen Orten der Schule wieder. Bänke, Bolzplatz, Theater, Solarbrunnen – alles selbst gebaut.

Ziel: Klare Berufswahl
„Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“ „Ihr Salon wurde mir empfohlen, ich würde gern meine Haare hier machen lassen.“ „Bitte nehmen Sie Platz. Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten? Möchten Sie etwas lesen?“ … Ein Rollenspiel im Friseursalon ist für Fünftklässler mehr als Spielerei. „Spracharme Kinder lernen über Beispiele, wie Sprache sinnvoll genutzt wird“, sagt Hermann Kuhl. Das ist praktischer Deutschunterricht. Und berufliche Orientierung. Denn wenn damit früh begonnen wird, dann sammelt jedes Kind bis zum Ende der Schulzeit so viele Eindrücke und Bausteine, „dass sie am Ende des 9. Schuljahrs eine klare Berufswahl treffen können“.

Die Sparda-Bank fördert das Projekt mit 11.000 EUR.
Begleitende Patin ist Ute Cewe, Sparda-Bank Münster.

Kontakt:
Martin-Luther-Schule
Gemeinschaftshauptschule
Rektor Hermann Kuhl
Martin-Luther-Str. 3
45701 Herten
Tel.: 02366 - 303 940
Fax: 02366 - 303 943
martin-luther-schule@herten.de
www.martinluther-herten.de

Stimmen zum Projekt:

„Unsere Kinder müssen mit ihren Sinnen begreifen, dann können sie auch intellektuell begreifen.“
Hermann Kuhl, Konrektor der Martin-Luther-Schule